Wurst

Gyulai Kolbász

Mit dem Wursten habe ich ja erst vor Kurzem angefangen und nachdem ich das erste Mal in Ungarn frische Kolbász direkt von einem der kleinen Stände auf einem der in ländlichen Gegenden immer noch verbreiteten Wochenmärkte gekauft habe, stand Kolbász relativ weit oben auf der Liste der Wurstsorten, die ich selber machen wollte. Und nach einem kurzen Aufwärmprogramm bestehend aus Gekochtem Mett im Glas und Thüringer Rostbratwurst, man muss sich ja erst einmal mit einfacheren Sachen in die ganz neue Materie einarbeiten, war es dann endlich so weit.

Etwas Hintergrundwissen

Kolbász bedeutet im Ungarischen nichts anderes als „Wurst“ und unter diesen Oberbegriff fallen in Ungarn die meisten geräucherten, gebratenen oder gebrühten Würste.

Gyulai Kolbász bekam ihren Namen vom kleinen, im Südosten von Ungarn gelegenen Städtchen Gyulai. Die Entstehungsgeschichte ist, wie bei so vielen Dingen im Leben, umstritten, aber mehr oder weniger einig ist man sich, dass es sie seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts gibt. Traditionell stammt das Fleisch für Gyulai Kolbász vom ungarischen Mangalica Schwein, aber diese langsam wachsende Rasse mit ihrem relativ fetten Fleisch ist selbst in Ungarn heute nicht mehr weit verbreitet, deswegen gibt man der Wurst heute etwas mehr Fett hinzu als früher.

Da in der Region Békés sehr viel Paprika, Zwiebeln und Knoblauch angebaut wird, sind diese Zutaten Hauptbestandteil der Gyulai Kolbász. Dabei ist die Gyulai Kolbász etwas milder gewürzt als z.B. die Csabai Kolbász aus dem benachbarten Békéscsaba. Wer es lieber etwas schärfer möchte, ersetzt mehr vom edelsüssen Paprika durch rosenscharfen Paprika.

Gyulai Kolbász

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Ingredients

  • 800g Schweineschulter (alternativ Nacken)
  • 200g Fetter Speck
  • 20g Nitritpökelsalz
  • 15g Paprika, edelsüß
  • 5g Paprika, rosenscharf
  • 3g Zucker
  • 3g Pfeffer, gemahlen
  • 5g Knoblauchpulver
  • 2g Kümmel, grob zerstoßen
  • Schweinedarm Kaliber 28/30

Instructions

1

Die Schweineschulter grob würfeln und mit den Gewürzen vermengen, den Speck ebenfalls grob würfeln.

2

Den Speck durch die grobe Scheibe des Fleischwolfs drehen, die Schulter mit der mittelgroben Scheibe wolfen. Für das Beste Ergebnis sollte das Fleisch dabei so kalt wie möglich sein.

3

Alles zusammen für einige Minuten durchkneten, entweder mit der Hand oder auch in der Küchenmaschine mit dem Knethaken, bis eine gute Bindung entsteht.

4

In Schweinedärme füllen und zu ca. 30cm langen Würsten abdrehen. Das Füllen von Därmen erfordert etwas Übung, also nicht verzweifeln, wenn die Würste beim ersten Mal nicht gleichmäßig werden. Dem Geschmack tut das keinen Abbruch.

5

Für 24-48 Stunden an einem kühlen, feuchten Ort aufhängen. Ideal sind 8-12 Grad und 70-80% Luftfeuchtigkeit. Der Fachbegriff dafür ist durchbrennen und es sorgt dafür, dass die Würste beim Räuchern nicht zu feucht sind und sich das Pökelsalz im Brät gleichmäßig verteilt.

6

Zum Abschluß werden die Würste noch mehrmals für jeweils 8 Stunden kalt geräuchert. Wie oft man das macht, hängt ganz vom eigenen Geschmack ab, ich räuchere jeweils vier Mal acht Stunden mit jeweils einer Räucherpause von 12 Stunden. Wichtig beim kalträuchern ist, dass die Temperatur 20° nicht überschreitet und die Würste nicht feucht sind oder sich im Räucherschrank Kondenswasser bildet, denn dann werden die Würste sauer.

Nach dem Räuchern können die Würste sofort verzehrt werden, eigentlich schmecken sie auch schon vor dem Räuchern ganz gut, aber dann handelt es sich noch nicht um eine klassische Gyulai Kolbász. Wenn man sie jetzt noch eine Weile an einem kühlen Ort hängend reifen lässt, werden sie geschmacklich noch besser und auch fester, weil sie an Feuchtigkeit verlieren.

Kühl und trocken gelagert halten sich die Kolbász einige Wochen, aber so alt werden sie bei mir normalerweise nicht. Gyulai Kolbász schmeckt sowohl einfach so auf einem guten Brot oder sehr lecker auch angebraten in Rührei, Bratkartoffeln oder als Einlage in einem Letscho.

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